Das westlich und südlich der Akropolis gelegene Gebiet zwischen den Hügeln des Areopag und der Pnyx, das nach dem berühmten deutschen Archäologen Wilhelm Dörpfeld benannt ist, gehörte in der Antike zum zentralen Teil des Stadtteils Kollytos. Heute kann man an der Ostseite der zu einer Fußgängerzone ausgebauten Apostolou Pavlou-Straße das archäologische Gebiet dieser sog. „Dörpfeld-Ausgrabung“ überblicken. Gegenüber, am Fuße des Pnyxhügels, befinden sich die Überreste antiker Straßen, Häuser und einiger Heiligtümer.
Das von der Apostolou Pavlou-Straße her einsehbare Gebiet zwischen den Hügeln des Areopag und der Pnyx, das in der Antike zum Stadtteil Kollytos gehörte, wird nach dem deutschen Architekten und Archäologen Wilhelm Dörpfeld (1853 – 1940) „Dörpfeld Excavations area“ genannt. Der bekannte archäologische Bauforscher, der mit Heinrich Schliemann in Troja und Tiryns Grabungen durchgeführt hatte und als Begründer des wissenschaftlichen Grabungswesens in der Archäologie gilt, legte hier die Überreste einiger Wohnhäuser, Werkstätten und Schreine frei.
Ausgrabungsgebiet Dörpfeld: Entlang der 4 m breiten Straße (stenōpós Kollytós), die durch den zentral gelegenen Stadtteil Kollytos führte, standen einst zahlreiche Häuser, Werkstätten und auch einige Tempelanlagen. Erhalten geblieben sind lediglich spärliche Überreste einiger Gebäudeteile. Auf der Westseite der Straße finden sich die Fundamente eines Gebäudes aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., das auf einem bestehenden Tempel aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. errichtet worden war. Etwas südlich davon konnte Dörpfeld das, was von einigen größeren Häusern aus der Zeit zwischen dem 4. Jahrhundert vor Chr. und dem 4. Jahrhundert nach Chr. übrig geblieben ist, freilegen. Beim „Haus des Periandros“ und dem „Haus des Aristodemos“ lassen sich sogar die Namen der Besitzer eruieren. Eine andere private Residenz, bekannt als das "Haus des römischen Mosaiks", hatte einen kunstvollen Mosaikboden, der in das 2. Jahrhundert n. Chr. datiert werden kann. Ein als das „Haus der griechischen Mosaiken“ bezeichnetes Objekt befand sich zwischen zwei Schreinen. Es hatte einen zentralen, von etlichen Räumen umgebenen Hof. In einigen dieser Räume fand man noch Teile von Kieselmosaikböden.
Agora Image: 2012.58.0388 (86-517): Restored perspective of the House of the Greek Mosaics. © ASCSA Digital Collections. American School of Classical Studies at Athens: Agora Excavations
Das Heiligtum des Zeus am Fuße des Nymphenhügels: Heute sind von dem vermutlich ältesten Zeus-Heiligtum, das es in Athen und in dem zur Polis Athen gehörigen Land gibt, nur mehr fünf, in den Fels gehauene Terrassen, die durch Treppen miteinander verbunden sind, einige Entwässerungskanäle, Kanäle, Zisternen und Fundamente von Altären erhalten geblieben. Der Kult um den obersten olympischen Gott dürfte auch mit der Verehrung anderer Gottheiten verbunden gewesen sein. Der Zugang zu dem Heiligtum erfolgte wahrscheinlich über zwei, aus dem Fels herausgearbeiteten Treppen im Süden des Komplexes.
In der klassischen Periode standen hier Wohnhäuser.
Die sog. „Ost-Straße“ (East Road to Pnyx) führte zu dem Ort, an dem sich seit den Reformen des Kleisthenes die stimmberechtigten männlichen Bürger Athens trafen, um über Gesetze und über Krieg und Frieden abzustimmen.
Brunnen am Osthang des Pnyxhügels: Bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. errichteten die Athener ein komplexes System zur Versorgung der Bevölkerung mit Wasser. Dabei wurde Wasser durch Tonrohre, die in unterirdischen Tunneln verlegt wurden, aus einer Entfernung von bis zu 10 km herangeführt. Die in den Fels gehauene Zisterne am Osthang des Pnyxhügels, die Athen mehr als 8 Jahrhunderte lang mit Trinkwasser versorgte, gehörte zu diesem Wasserversorgungssystem. Die in den natürlichen Fels gehauene Anlage besteht aus zwei miteinander verbundenen Kammern. Der Boden der ersten Kammer war im 2. Jh. n. Chr. mit einem kunstvollen Mosaik verziert. Der deutsche Archäologe Wilhelm Dörpfeld war der Meinung, dass es sich dabei um den berühmten Brunnen mit 9 Ausgüssen (Enneacrounos) aus der Zeit des Peisistratos handelt. Zu sehen sind noch die Spuren des Betons, der im Zweiten Weltkrieg verwendet wurde, die Kammern abzudichten. Hier wurden nämlich kurzfristig wertvolle Kunstschätze vor den plündernden Soldaten versteckt.
Heiligtum des Pan: Ebenfalls am Fuße des Pnyx-Osthanges legten Archäologen eine in den Fels gehauene Kammer frei. An der Nordwand befindet sich ein gemeißeltes Relief, das den Hirtengott Pan, eine nackte Nymphe und einen Hund zeigt. Die bis dahin unbekannte archäologische Fundstätte wurde daher mit dem in Attika seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. nachweisbaren Kult um den Gott des Waldes und der Natur in Verbindung gebracht. In unmittelbarer Nähe befinden sich weitere Überreste von in den Fels gehauenen Häusern aus der klassischen Zeit.
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Athens Sanctuary of Pan Apostolou Pavlou 1