Der Name
Pnyx
bezeichnet sowohl den etwa 1 km westlich der Akropolis gelegenen Hügel, auf dessen Kamm sich in der Antike eine 900 m lange Erweiterung der Stadtmauer (Diateichisma) befand, als auch die dort befindliche Anlage, in der sich seit dem Ende der archaischen Zeit alle männlichen Vollbürger zu regelmäßigen Versammlungen (Ekklesiae) trafen. Erst durch die Entdeckung eines Grenzsteins aus dem 5. Jh. v. Chr. mit der Aufschrift „Grenze des Pnyx“ im Jahr 1835 konnte man endgültig diesen für die Entwicklung der Demokratie so bedeutsamen Ort identifizieren.
Die Pnyx ist zusammen mit dem Musen- und dem Nymphenhügel ein Teil eines Höhenzuges, der in der Antike durch eine eigene Mauer geschützt die Grenze des Stadtgebietes darstellte und sich heute als beliebte Parkanlage sowohl bei Touristen als auch bei Einheimischen großer Beliebtheit erfreut. Bild: ©
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Die Volksversammlungen, die zur Zeit der attischen Demokratie den obersten Souverän des Stadtstaates darstellten, fanden in der Frühzeit auf der Agora statt. Um ca. 500 v. Chr. errichtete man dann aber – im Zuge der Reformen, die Kleisthenes (um 570 – nach 507 v. Chr.) angestoßen hatte – auf dem Pnyxhügel ein halbkreisförmiges Auditorium, das durch eine niedrige, geradlinige Mauer im Norden begrenzt wurde. Die Rednertribüne (Bema) befand sich in dieser ersten Phase im nördlichen Teil dieses öffentlichen Platzes, die Redner wandten also der Akropolis den Rücken zu. Man schätzt, dass sich zu der Zeit an die 6000 Personen hier trafen, um über die Geschicke Athens zu beraten.
Man kann sich leicht vorstellen, dass der Ort und seine Umgebung eine faszinierende Wirkung auf alle Beteiligten ausübten und die Redner mit einer Inspiration versorgten, mit der nicht einmal das Forum Romanum konkurrieren kann. Hier wurde schon – vor mehr als zweieinhalbtausend Jahren – das Prinzip der „Isegoria“ (das gleiche Recht jedes Bürgers, politische Angelegenheiten zu diskutieren) ganz real umgesetzt.
Anfangs fanden die Versammlungen, die von Epistaten (Amtsinhaber, die das Organisieren und Funktionieren der Institutionen überwachten) geleitet wurden, zehnmal im Jahr statt. Unterstützt wurden die Epistaten von einem Sekretär und einem Herold, der die Veranstaltung dem Volk ankündigte. Vor Beginn der Veranstaltung wurden Zeus Agoriaios (Zeus als Beschützer der Verfassung) Opfer dargebracht. Dies sollte für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Vor der Rednertribüne saßen die führenden Mitglieder der Regierung (Prytanen), die, unterstützt von Bogenschützen, für die Aufrechterhaltung der Ordnung verantwortlich waren. Das Volk saß auf dem felsigen Boden.
Um 400 v. Chr. wurde die Ausrichtung des Auditoriums um etwa 180° gedreht. Zu diesem Zweck wurde im Norden eine neue Terrassenmauer errichtet und mit Hilfe erheblicher Erdaufschüttungen die Schaffung einer neu gewonnenen Fläche auf dem Hügelplateau ermöglicht. Die Bema wurde von der ehemals nördlichen Position in eine südliche verlegt, die Bürger hatten also in dieser
zweiten Bauphase die Agora, den Aeropag und die Akropolis nicht mehr in ihrem Blickfeld.
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Ein Teil der
Terrassenmauer aus der Bauphase II ist ebenso erhalten geblieben wie Teile der dazugehörigen Treppe.
Die Pnyx im 19. Jahrhundert: Muller Rudolph - View of the Acropolis from the Pnyx - Google Art Project.jpg. ©
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DIATEICHISMA
Um der herannahenden Gefahr durch die Makedonier begegnen zu können, erbauten die Athener Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. auf den Kämmen des Musenhügels, der Pnyx und des Nymphenhügels eine 900 m lange Mauer (Diateichisma), die an die sog. „Langen Mauern“ anschloss, die unter der Führung von Themistokles um 456 v. Chr. vollendet wurden. Diese neue Mauer durchschnitt jedoch bewohnte Teile des Stadtgebietes und ließ so einige Siedlungsgemeinschaften (Demen) wie Melete und Koile ungeschützt vor etwaigen Angriffen außen vor. Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde das Bauwerk umfassend repariert und ihr Verlauf im Bereich der Pnyx geringfügig verändert. In der Zeit Justinians, im 6. Jahrhundert v. Chr., wurde dieser Abschnitt der Stadtmauer noch einmal verstärkt und mit zusätzlichen Türmen versehen.
Im 3. Jh. v. Chr. hatte diese rund 900 m lange, mit runden und rechteckigen Türmen befestigte Mauer zwei Tore an den Übergängen zu den Hügeln. Zwischen dem Hügel der Musen und der Pnyx befand sich das als
„Dipylon über den Toren“ (1)
bezeichnete Südtor der Diateichisma. Hier wurde der Personen- und Warenverkehr zwischen Athen und seinem Hafen Piräus kontrolliert. Das nördlich davon gelegene Tor wird – aufgrund von diesbezüglichen Erwähnung in literarischen Quellen - als
Melitides-Tor (2) identifiziert. Bild:
ASCSA Digital Collections. American School of Classical Studies at Athens: Agora Excavations
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Die Überreste der
Diateichisma auf dem Pnyxhügel
Die gegen Ende des 4. Jhs. geplanten Säulenhallen
wurden nie vollendet. Heute sind nur mehr Fundamentreste davon erkennbar.
Oberhalb der Bema befand sich ein
Altar des Zeus Agoriaios. Dieser ursprünglich aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. stammende Altar wurde vermutlich um die Zeitenwende auf die
Agora verlegt und östlich des Metroons aufgestellt.
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Die
Pnyx, der
Tagungsort der Volksversammlung, war rund 200 Jahre lang das politische Zentrum des demokratischen Athen. Die mehr als 20.000 Menschen fassende theaterähnliche Anlage aus der dritten Bauphase ist in ihrer Grundform noch heute ganz gut erkennbar.
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Die aus dem natürlichen Felsen gehauene
Rednertribüne (Bema) aus der dritten Bauphase ist das markanteste Relikt aus dieser Zeit. Sie hat drei Stufen und ist insgesamt 9 m lang.
Südlich des Altars des Zeus Agoriaios befindet sich die in den Fels gehauene Basis einer
Sonnenuhr (Heliotropion)
, die um 433 v. Chr. von dem Astronomen und Geometer Meton, errichtet wurde.
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Wie die in den Fels gehauenen Nischen im Bereich östlich der Bema zeigen, war die Pnyx auch dem Heilgott Zeus Hypsistos gewidmet. Die in verschiedenen Formen und Größen angefertigten Nischen waren dafür vorgesehen, dass die Athener dort Votivgaben in Form menschlicher Gliedmaßen deponieren konnten. Diese Nischen umgeben eine große, zentrale Nische, in der angeblich die Statue des Gottes aufgestellt war. Dieses
Heiligtum des Zeus Hypsistos
wurde aber erst in römischer Zeit errichtet, als dort keine Versammlungen mehr abgehalten wurden.
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Die beeindruckenden Reste der
Stützmauer aus der dritten Bauphase.