Hadriansbibliothek

Die Hadriansbibliothek

Nahe dem modernen Monastiraki-Platz befinden sich die spärlichen, aber dennoch imposanten Überreste eines von Kaiser Hadrian gestifteten Bildungszentrums, das kaum prunkvoller hätte sein können. Der heutige Name „Hadriansbibliothek“ leitet sich von dem großzügig ausgestatteten Bibliothekssaal im Osten des Gebäudekomplexes ab. Die Anlage bestand aus einem großen Innenhof, der von Hallen mit insgesamt 100 Marmorsäulen umgeben war, sowie dem eigentlichen Bibliotheksgebäude mit Lese- und Vortragssälen.


Zur Zeit der Grand Tour war die antike Hadriansbibliothek teilweise überbaut – insbesondere von der Megali-Panagia-Kirche, einer byzantinischen Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert. Dennoch blieben bedeutende Überreste der römischen Bibliothek erhalten, darunter Teile der monumentalen Westfassade mit ihren korinthischen Säulen. Künstler wie James Stuart dokumentierten die Ruinen in Zeichnungen und Stichen. Sein Werk "The Antiquities of Athens" enthält detaillierte Illustrationen der verbliebenen Strukturen, die wesentlich zum Verständnis der ursprünglichen Architektur beitrugen. Besonders hervorzuheben sind seine Darstellungen der Westfassade mit den korinthischen Säulen sowie des monumentalen Eingangsportals. [ mehr….]


Das in der Zeit zwischen 132 und 134 n. Chr. errichtete Gebäude misst 122 x 82 Meter. Es hatte einen Eingang mit einem Propylon im Westen, eine hohe umlaufende Mauer, in deren nördlicher und südlicher Langseite jeweils in der Mitte eine rechteckige sowie links und rechts davon je eine halbrunde Nische eingepasst waren, und einen inneren Peristylhof mit einem großen Wasserbassin in der Mitte. An der Ostseite befand sich die Bibliothek selbst, in der die "Bücher" (Papyrusrollen) aufbewahrt wurden. Angrenzende Säle dienten als Lesesäle und die an den Eckseiten befindlichen Räume als Hörsäle.


„Das Prachtvollste aber sind 100 Säulen, die Säulenhalle und die Wände von phrygischem Marmor; auch eine Kapelle befindet sich darin mit vergoldeter Decke, und mit Alabaster, mit Götterbildern und Gemälden ausgeschmückt; in ihr werden Bücher aufbewahrt.“
Pausanias (1, 18, 9)


Der römische Kaiser Hadrian (76 – 138 n. Chr.), dessen ausgeprägter Philhellenismus, der ihm übrigens den Beinamen Graeculus („Griechlein“) eintrug, gab bei einem seiner zahlreichen Besuche in Athen den Auftrag, eine besonders eindrucksvolle Bildungseinrichtung in unmittelbarer Nähe zur römischen Agora (die er erweitern ließ) und des von ihm kurz davor erbauten Pantheons (ein kolossaler Tempel, der allen Göttern geweiht war) zu errichten. Dazu ließ er auf dem dafür vorgesehenen Gelände die darauf stehenden hellenistischen Gebäude abreißen. Mit dem Bau „seiner Akademie“ wollte er wohl der Stadt seinen individuellen kulturellen Stempel aufdrücken. Zugleich sollte das imposante Bauwerk aber auch den geeigneten Rahmen für eine glanzvolle Inszenierung kaiserlicher Macht abgeben.


Von der einstigen Pracht ist wegen der enormen Zerstörungen, die schon mit dem Einfall der Heruler im Jahr 267 n. Chr. einsetzten, nur mehr sehr wenig zu sehen. Heute sind eigentlich nur mehr Teile der Westfassade mit den vorgeblendeten korinthischen Säulen der Kaiserarchitektur und der Rückwände des eigentlichen Bibliotheksbereichs übrig geblieben. Im ehemaligen Innenhof sind noch Teile der in späterer Zeit errichteten Bauten zu sehen. 

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In der Antike blickte die fassadenhaft gestaltete Eingangsseite Richtung griechischer Agora.

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Der vermutlich dreistöckige Bibliothekstrakt. Deutlich sind noch die Spuren der Regalkonstruktionen zu erkennen, in deren Fächern einst die Buchrollen lagen.

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Die Bibliothek war flankiert von Lesesälen und Vortragssälen

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Der ehemalige Innenhof

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Athen Hadriansbibliothek


With special thanks to 
Dimitrios Tsalkanis


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BUCHEMPFEHLUNGEN
  • Patrick Schollmeyer: Die 40 bekanntesten archäologischen Stätten in Athen und Attika. Nünnerich-Asmus (2019)
  • Ancient Agora of Athens – Areopagus Hill. Brief history and tour. Publication of the Association of Friends of the Acropolis. (2004)
  • Ulrich Sinn: Athen – Geschichte und Archäologie. Beck (2004)
  • Karl W. Welwei: Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert. WBG (1999)
  • Karl W. Welwei: Athen. Vom neolithischen Siedlungsplatz zur archaischen Großpolis: Vom neolithischen Siedlungsplatz zur archaischen Grosspolis. WBG (2001)
  • Heiner Knell: Vom Parthenon zum Pantheon- Meilensteine antiker Architektur: Meilensteine der antiken Architektur. Philipp von Zabern (2013)
  • Heiner Knell: Athen im 4. Jahrhundert v. Chr. - eine Stadt verändert ihr Gesicht: Archäologisch-kulturgeschichtliche Betrachtungen. WBG (2000)
  • Christian Meier: Athen: Ein Neubeginn der Weltgeschichte. Pantheon (2012)
  • Christian Habicht: Athen: Die Geschichte der Stadt in hellenistischer Zeit. Beck (1995)
  • Jutta Stroszeck u. Andrea Schellinger: »... in einer Ruhe die wundernimmt«: Der Kerameikos in literarischen Zeugnissen von 1863 bis heute. Kadmos (2017)
  • Jutta Stroszek: Der Kerameikos in Athen: Geschichte, Bauten und Denkmäler im archäologischen Park. Bibliopolis (2014)
  • Renate Tölle-Kastenbein: Das archaische Wasserleitungsnetz für Athen und seine späteren Bauphasen. WBG (1994)
  • Renate Tölle-Kastenbein: Das Olympeion in Athen. Böhlau (1994)
  • Gottfried Gruben u.a.: Die Heiligtümer und Tempel der Griechen. Hirmer (2001)
  • Savas Gogos u.a.: Das Dionysostheater von Athen: Architektonische Gestalt und Funktion. Phoibos (2008)
  • Emil Reisch und Wilhelm Dörpfeld: Das griechische Theater: Beiträge zur Geschichte des Dionysostheaters in Athen und anderer griechischer Theater. Hansebooks (2019)
  • Adolf Boetticher: Die Akropolis von Athen. Springer (2013)
  • Christoph Höcker und Lambert Schneider: Die Akropolis von Athen: Eine Kunst- und Kulturgeschichte. WBG (2001)
  • John McK. Camp II u. Craig A. Mauzy (Hrsg.): Die Agora von Athen: Neue Perspektiven für eine archäologische Stätte. Philipp von Zabern (2009)
  • Hans Rupprecht Goette u. Jürgen Hammerstaedt: Das antike Athen: Ein literarischer Stadtführer. C.H.Beck (2012)
  • Klaus Gallas: Reclams Städteführer Athen: Architektur und Kunst (2019)
  • Peter Connolly u. Hazel Dodge: Die antike Stadt. Das Leben in Athen und Rom. Könemann (1998)
  • Frank Börner: Die bauliche Entwicklung Athens als Handelsplatz in archaischer und klassischer Zeit (Quellen und Forschungen zur Antiken Welt). Tuduv (1996)
  • Heiner Knell: Athen im 4. Jahrhundert v. Chr. - eine Stadt verändert ihr Gesicht. WBG (2000)
  • Frank Kolb: Agora und Theater, Volks- und Festversammlung - Archäologische Forschungen, Band 9. (1981)
  • Christian Meier: Athen: Ein Neubeginn der Weltgeschichte. Pantheon (2012)
  • Leonhard Burckhardt u. Jürgen Ungern-Sternberg (Hrsg.): Große Prozesse im antiken Athen. C.H.Beck (2000)
  • Peter Funke: Athen in klassischer Zeit (Beck'sche Reihe 2074). C.H.Beck (2019)
  • Dorothy B. Thompson: An Ancient Shopping Center (Agora Picture Book 12). American School of Classical Studies at Athens (2001)
  • Laura Gawlinski: Athenian Agora (Museum Guides). American School of Classical Studies at Athens (2014)
  • Susan I. Rotroff , Robert D. Lamberton: Women in the Athenian Agora (Agora Picture Book, Band 26). American School of Classical Studies at Athens (2006)
  • Alison Frantz: The Middle Ages in the Athenian Agora (Agora Picture Book 7). American School of Classical Studies (1961)
  • Wilfried Nippel: Antike oder moderne Freiheit: Die Begründung der Demokratie in Athen und in der Neuzeit. Fischer (2008)
  • Karl-Wilhelm Welwei: Das Klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert. Primus (2001)
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