Auf dem Areopag – einem nach dem Kriegsgott Ares benannten Felsen nordwestlich der Akropolis – tagte in der Antike der oberste Rat Athens, der ebenfalls „Areopag“ genannt wurde. Ursprünglich bestand dieses Gremium aus Vertretern des Hochadels und war sowohl für die Ahndung von Tötungsdelikten als auch für Verwaltungs- und Regierungsaufgaben zuständig. Mit dem Erstarken der Demokratie wurden dem Areopag, der nun mehrheitlich aus ehemaligen hohen Beamten bestand, schrittweise die politischen Befugnisse entzogen. Seine weitreichenden Kompetenzen gingen auf die Ratsversammlung (Bule), das Geschworenengericht (Heliaia) und die Volksversammlung (Ekklesia) über. In der Zeit des Perikles wurde für die Sitzungen des Areopag-Rates auf der Agora die sogenannte „Königshalle“ (Stoa Basileios) errichtet, in der auch die Gesetzestafeln öffentlich aufgestellt wurden.
Zur Zeit der Grand Tour avancierte der Areopag in Athen zu einem zentralen Anziehungspunkt für europäische Reisende, die sich für die antike Geschichte und das frühe Christentum begeisterten. Der Felsen war ihnen ja bereits aus den Berichten von Autoren wie Pausanias, Thukydides, Aischylos und Plutarch sowie durch die Apostelgeschichte, in der der Apostel Paulus seine berühmte Rede hielt, bekannt. Reisende wie Jacob Spon (1678) und George Wheler (1682) beschrieben den markanten Felsen eindrucksvoll, James Stuart und Nicholas Revett dokumentierten ihn in ihrer monumentalen Studie The Antiquities of Athens (1762–1816) akribisch. Besonders hervorzuheben ist auch das Werk von Leo von Klenze (1784–1864), der in seiner idealisierten Ansicht der Akropolis den Areopag als Bühne für die Rede des Paulus inszenierte. [ mehr….]
Viel zu sehen gibt es auf dem etwa 115 m hohen Felsen nicht. Aber wegen seiner geschichtlichen Bedeutung ist der Ort dennoch einen Besuch wert. Von dort hat man auch einen fantastischen Blick auf die Agora und die Propyläen zum heiligen Bezirk der Athener Akropolis.
Die Propyläen vom Areopag aus gesehen.
So sah der Areopag in der Zeit um 1900 aus. © Bild: Wikimedia Commons
Der geschichtsträchtige Ort wird übrigens auch in der Bibel erwähnt. Laut Apostelgeschichte (17,19) soll der Apostel Paulus, der sich auf seiner zweiten Missionsreise in Athen befand, von Einwohnern vom Marktplatz „zum Areopag“ geführt worden sein, um Näheres über seine „neue Lehre“ kund zu tun. Es stellt sich nun die Frage, ob damit der Areopag-Hügel oder der Areopag-Rat gemeint ist. Der Areopag als Gremium tagte ja schon seit der klassischen Zeit nicht mehr auf dem besagten Hügel, sondern in der Stoa Basileios auf der Agora.
„Einige von den epikureischen und stoischen Philosophen diskutierten mit ihm und manche sagten: Was will denn dieser Schwätzer?“
(Die Areopagrede des Paulus: Apg 17,16-34)
Die von dem deutschen Architekten, Maler und Schriftsteller Leo von Klenze (1784 – 1864) hergestellte idealisierte Ansicht der Akropolis mit dem vorgelagerten Plateau des Areopag möchte die Situation während der römischen Herrschaft im 1. Jh. n. Chr. künstlerisch einfangen. Im Vordergrund hat der phantasiebegabte Künstler den Apostel Paulus in Szene gesetzt. Damit möchte er quasi eine Vermählung der durch den griechischen Geist geprägten Kultur mit dem Christentum, das sich am Beginn seines Siegeszuges befindet, zum Ausdruck bringen. Entsprechend soll die aufgehende Sonne nicht nur den Beginn eines neuen Tages, sondern einer neuen Epoche symbolisieren. © Bild: Wikimedia Commons
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