Orange

Das römische Theater und der „Triumphbogen“ in Orange

Die französische Kleinstadt Orange ist für Besucher der Provence hauptsächlich aus zwei Gründen von besonderem Interesse. Einerseits kann hier ein antikes Theater mit einem weitgehend intakten Bühnenhaus bewundert werden, das als eines der am besten erhaltenen römischen Theatern der Welt gilt. Des Weiteren ist ein beeindruckendes dreibögiges römisches Monumentaltor zu nennen, welches vermutlich zwischen 10 und 20 n. Chr. als Stadtgründungsbogen errichtet wurde. Die beiden Bauwerke wurden 1981 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
Im Jahr 35 v. Chr. gründeten Veteranen der zweiten Legion an der Stelle, an der 70 Jahre zuvor ein römisches Heer zur Verteidigung Südgalliens von Kimbern und Teutonen vernichtend geschlagen worden war, eine Stadt, die sie nach einem lokalen Wassergott Arausio nannten. Begünstigt durch die Lage an der Via Agrippa entwickelte sich Arausio, in der es beeindruckende öffentliche Bauten wie Theater, Zirkus, Tempel, Foren, Thermen und ein Amphitheater gab, zu einer wichtigen Provinzstadt in der Provinz Gallia Narbonensis. Von diesen Bauwerken haben sich das beeindruckende Theater und ein Monumentaltor erhalten, deren Bau vor oder während der Herrschaft des Augustus begonnen wurde. 

Das Theater von Orange

römisches Theater in Orange

Das Theater wurde Anfang des 1. Jhs. n. Chr. aus lokalem gelben und weißen Kalkstein erbaut. Der Standort wurde so gewählt, dass der Zuschauerraum in den Abhang eines Berges gebaut werden konnte. Dadurch war es möglich, auf eine aufwendige Mauerunterkonstruktion zu verzichten. Im frühen 2. Jh. wurden zahlreiche Umbauten und Renovierungen durchgeführt. 

Die eigentliche Bühne (pulpitum), unter der sich zahlreiche Hebe- und Versenkungsmaschinen befanden, weist eine Länge von 61 Metern sowie eine Tiefe von etwa 9 Metern auf. Die 1 Meter hohe Front zur davorliegenden Orchestra, dem halbkreisförmigen Raum vor der Bühne, war ursprünglich mit rechteckigen und halbrunden Nischen gegliedert.


Hinter der Bühne erhebt sich das 37 Meter hohe, dreistöckige Bühnenhaus (scaena), dessen obere Stockwerke mittels Treppen von den rechts und links befindlichen Vorsprüngen (Paraskenien) aus erreichbar waren. Die Bühnenwand (scaenae frons), die früher mit Marmormosaiken in unterschiedlichen Farben, Säulen, Friesen und Statuen geschmückt war, hatte nicht nur eine dekorativen Funktion. Sie bewirkte - zusätzlich zu der nach hinten geneigten Überdachung des Bühnenhauses - auch eine Verbesserung der Theaterakustik. In der Mitte wird die Bühnenwand von der Königstür (valva regia), die von den wichtigsten Hauptdarstellern für den Auftritt bzw. Abgang benutzt wurde, durchbrochen. Die beiden kleineren Seitentüren waren den Nebendarstellern vorbehalten. Über der Königstür befand sich ein mit Zentauren verzierter Fries, von dem noch einige Teile erhalten sind und im benachbarten Museum besichtigt werden können. Die zentrale Nische in der Wand beherbergt eine 3,5 Meter hohe Kolossalstatue des Augustus. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass es sich dabei um eine schon in der Antike vorgenommene Bearbeitung einer Originalstatue von Apollon, dem Gott der Musik und der Künste, handelt.

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Auch die Außenseite der Bühnenwand ist noch sehr gut erhalten. Die 104 Meter lange und 37 Meter hohe Mauer weist 17 gewölbte Türen auf, die teils zur Bühne, teils zu anderen Räumen führen, die nicht mit der Bühne verbunden sind. Über den Türen befinden sich Pilaster und zwei Reihen von Wasserspeiern. Die beeindruckende Wand, von der Ludwig XIV. gesagt haben soll, sie sei „die schönste Mauer in seinem Königreich“, endet auf beiden Seiten in einer Reihe gewölbter Eingänge. 

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Das an einen Hügel geschmiegte Zuschauerrund (cavea) konnte etwa 9.000 Zuschauer fassen. Die halbkreisförmig angelegten Sitzreihen waren in drei, durch Mauern getrennte Zonen unterteilt. Die Plätze wurden nach sozialem Status der Besucher verteilt: unten saßen die Reichen und Mächtigen, weiter oben die einfachen Bürger. Die Sklaven mussten sich mit den obersten Sitzreihen begnügen. Abgeschlossen wurde der Zuschauerraum von einem schmalen Säulengang (porticus). Wie auch bei den Amphitheatern wurden zum Schutz vor der Hitze von großen Masten, die an den Außenseiten des Theaters befestigt waren, große Segeltuch-Planen aufgezogen. 

Die einzelnen Sitzplätze waren durch Korridore erreichbar, die teilweise aus dem Fels geschlagen worden waren. Entlang dieser Gänge befanden sich zahlreiche Räume, die vermutlich als Tavernen genutzt wurden.

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Der Bogen von Orange

Der dreitorige Ehrenbogen (umgangssprachlich auch Triumph- oder Augustusbogen), der dem nördlichen Stadteingang in das antike Arausio vorgelagert war, stammt aus dem beginnenden 1. Jh. n. Chr. Im Mittelalter wurde das Monument befestigt, um als vorgeschobene Bastion am Eingang der Stadt zu dienen. In den 1820er Jahren ging dann der Architekt Auguste Caristie daran, die mittelalterlichen Anbauten zu entfernen und den Bogen unter Einsatz von etwas Fantasie sanft zu rekonstruieren. 

BILDNACHWEIS:

  • Wright, John Henry: A history of all nations from the earliest times; being a universal historical library (1905) (14779334752).jpg. © Wikimedia Commons
  • Suwannee.payne: Théâtre antique d'Orange. © Wikimedia Commons
  • Suwannee.payne: Arc d'Orange. © Wikimedia Commons

BUCHEMPFEHLUNGEN
  • Meike Droste: Arles: Gallula Roma - Das Rom Galliens. Zabern (2003)
  • Pierre Gros: Gallia Narbonensis: Eine römische Provinz in Südfrankreich. Zabern (2008)
  • Raymond Chevallier: Römische Provence: die Provinz Gallia Narbonensis. Atlantis (1979)
  • Helga Botermann: Wie aus Galliern Römer wurden. Leben im Römischen Reich. Klett-Cotta (2005)
  • Bert Freyberger: Südgallien im 1. Jahrhundert v. Chr. Phasen, Konsequenzen und Grenzen römischer Eroberung. Steiner (1999)
  • Thorsten Droste: DuMont Kunst Reiseführer Provence: Antike Arenen, romanische Kreuzgänge, Städte mit Geschichte. Eine Reise durch Frankreichs Sonnenprovinz (2011) 
  • Ulrike Klugmann: HB Kunstführer, Nr.36
  • Edwin Mullins: Roman Provence: A History and Guide. Signal Books (2011)
  • James Bromwich: The Roman Remains of Southern France: Routledge (1996)
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